22.06.14

GAUCK UND DAS 5. GEBOT

 

Warum Aufruhr über Gaucks durchaus fragwürdige Formulierungen zu militärischen Einsätzen?

'Du sollst nicht töten' – so das 5. Gebot der katholischen Sittenlehre – KKK, 2005.

Drei erläuternde Fragen dazu im KKK:

483. Wann ist der Einsatz militärischer Gewalt sittlich gestattet? -

484. Wem obliegt im Fall der Kriegsgefahr die strenge Beurteilung dieser Bedingungen? -

486. Was ist zu tun, um den Krieg zu vermeiden?

Es scheint, als seien dies humane, zeitgemäße, vernünftige Fragen der katholischen Sittenlehre KKK, 2005. Und doch Bürgermeinungen wie

 

Gauk - die zweitgrößte Enttäuschung nach Obama. Das Vertrauen in die Politik ist endgültig verloren.!

  

Kriegstreiber, fahr zurück nach Berlin. Wir wollen dich nicht in Aachen!”

 


 

Sehr gegensätzlich die Auffassungen: Töten – nein (5. Gebot), aber verteidigen mit tödlichen Waffen erlaubt. - Und nun beginnt sich (wieder mal oder endlich?) die Gesellschaft deutlicher zu spalten als bisher.

 

Ist da die Frage nicht berechtigt, was grundsätzlich auf sittlich, moralischer Ebene schief-gelaufen ist und immer noch schiefläuft? Haben Augustinus, später Thomas von Aquin, basierend auf Cicero, wirklich recht, bei Krieg von gerechtfertigt zu sprechen? (Vielleicht aus damaliger Sicht und dem entsprechenden Kenntnisstand noch tolerierbar).

 

Nach heutigen Kenntnissen der Psyche und ihrer Bedeutung für die gesamte Menschheit aber ist keinerlei Krieg mehr gerechtfertigt.

  

Logisch: Wenn ein Hundebesitzer die Fäkalien seines Hundes vor meiner Haustür entsorgt (Angreifer), muss ich ihm Grenzen setzen (Verteidigung). Wenn er die Entsorgung mit Waffen durchsetzt, die ich ihm zuvor verkauft habe – ist das dann noch ein Verteidigungskrieg? Und gerechtfertigt?

  

Wo also liegen die Ursachen von – oft durchaus verständlichen – Streitigkeiten?

 

Waffen für jeden – in den USA auch für Kinder - und sich wundern, wenn Elend folgt: Das ist schizophren.

 

Welche Obrigkeit, die permanenten Gewinn durch Waffenproduktion zulässt, ist wirklich unabhängig, also letztlich legal? (Rentabilität statt Humanität). Welcher der Kriege der letzten Zeit haben nicht ... größeres Elend hervorgerufen, als sie zu beseitigen versuchten...?

 

Darf ich also als einflußreicher Repräsentant einer großen Gemeinschaft (Volk/ Glaubensgemeinschaft usw.) tödliche Waffen subtil rechtfertigen, ohne primär die Herstellung von Waffen zu brandmarken?

 

Papst Franziskus (und ich bin weder religiös, und katholisch schon gar nicht) signalisiert primär Strafgefangenen der Mafia (oft nur Mitläufer der Aggressoren), dass sie in der Kirche willkommen sind, aber exkommuniziert sekundär die Verantwortlichen. Aus meiner Sicht, langfristig ein nützlicher Weg (über ein sich veränderndes Bewusstsein).
Und noch ein (vermeintlich religiöser) Gesichtspunkt, der die wieder auflebende 'Kriegsethik' ad absurdum führt (auch wenn jener Pastor und Bundespräsident wohl nicht in diese Schublade gehört).

 

Augustinus hat nach einem eher 'sündigen' Leben zu GOTT gefunden und dann erst die Sittenlehre federführend formuliert – in der Überzeugung, dass GOTT dem Vatikan Vollmacht erteilt hat, die gemäß Neurophysiologie (Jetztzeit) psychisch eher krank macht als nützt.

 

Und ob das Denkmuster GOTT (göttliche Vorsehung) heutigen Kenntnissen standhält oder nicht: Die öffentliche (auch religiös gefärbte) Rechtfertigung von Krieg – wenn auch als Verteidigungsfall - ist überwiegend ein subjektives Interessen (Kapitalismus/Religion) gefärbtes Manipulieren, also die Psyche belastend. Papst Franziskus hat es auf den Punkt gebracht. Sinngemäß: Der Kapitalismus kann sich Weltkriege nicht mehr erlauben, deshalb regionale Kriege. Was nichts anderes heißt: (Waffen)Produktion ohne Verbraucher (Soldaten) bringt keine Rendite.

 

Und dann noch Erläuterung zu Frage 484 KKK: Das ... kluge Ermessen der Regierenden, die das Recht haben, den Bürgern die Pflicht zur nationalen Verteidigung aufzuerlegen … ist gerade derzeit angesichts der vielen absurden Fehlentscheidungen von Regierenden weltweit sehr anzuzweifeln.

 

Fazit: Wer sich mit soziologischen und physiologischen Hintergründen von Gewalt/Krieg befasst, kann gar nicht anders, als das leider in diesem Punkt sehr effektive Fehlverhalten von BP Gauck anzugreifen. Dass manche dabei, emotional bedingt, auch über die Stränge schlagen und verletzten, ist nicht in meinem Sinn. Im Gegenteil: Auch dadurch wird Psyche sinnlos gereizt. – Ich jedenfalls vermeide Vergleiche wie den mit Djihadisten u.ä..

 

Da über Twitter leider keine angemessene Reaktion möglich ist, habe ich diesen Weg als Antwort auf relevante Tweets gewählt.  jm olbrich

 

 

 16.06.14

 

   Ergänzung zu 

Open Thread: Gauck und der Krieg

   gelesen in

   http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8308/open-thread-gauck-und-der-krieg

 


 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

 

bisher habe ich die Gesinnung des höchsten Repräsentanten unserer Republik, Ihre Gesinnung weitgehend vorbehaltlos akzeptiert.

 

Ihre erneute Rechtfertigung von Waffengängen aber, wenn auch als mitunter unverzichtbar formuliert, halte ich für nachhaltig gefährlich.

   

Meine Begründung - immerhin nach über vierzig Jahren Auseinandersetzung mit Gewaltentwicklung:

 

Nach heutigen Erkenntnissen der Neurophysiologie wirkt jeder Impuls strukturbildend ins Gehirn hinein. Das bedeutet: Auch Ihre Worte als Signal aus oberster Ebene haben Wirkung - irgendwo, irgendwie. Bei ohnedies kriegsbereiten Menschen logischer Weise mehr als bei friedenswilligen.

  

Und da die Waffenlobby (siehe auch Republikaner, USA) weltweit eher kriegsbereit als friedenswillig ist, fördern Ihre Einlassungen die Bereitschaft.

  

Als verantwortungsbewusster Bürger kann ich das nicht widerspruchslos hinnehmen, wohlwissend, dass jene kranke Kriegslust vor der Weltkriegs-Phase 14 (Kriegsrethorik) zwar fast ausgestorben ist (oder nur scheint?).

  

Denn noch gibt es den 'bösen Nachbarn', der den 'Frömmsten nicht in Frieden' leben lässt.

  

Schiller konnte von Neurophysiologie noch nichts wissen. Vielleicht hätte er dann verbindlicher formuliert.

  

Er konnte nicht wissen,  dass die Kern-Ursachen von Kriegen aller Art - Gartenzaum bis Schlachtfeld - immer Gefühlsverletzungen sind. Struktur bildende Verletzungen. Und dass diese Gefühlsverletzungen durch Waffengänge immer nur verstärkt und dadurch erst richtig blutig werden.

 

Logisch: Kriegerische Geschehen muss der Nachbar nicht stillschweigend schlucken. Die westliche Geschlossenheit in der Ukraine-Krise oder anderswo ist als unblutiges Signal unabdingbar. Wer Nachbarn keine Grenzen setzt, lädt zum Überschreiten ein. Keine Frage.

  

Aber Säbelrasseln zu Anfang und am Ende das Schlachtfeld ... noch niemals hat ein Krieg wirkliche Sieger hervorgebracht.

  

Ist der Mensch wirklich eine Fehlkonstruktion, die nicht begreift, dass der Zugriff auf Waffen die latente Gewaltbereitschaft oder auch nur das immer häufiger durch TV u.a. Medien normalisierte Gewaltverhalten ausufern lassen kann? Und das jeder Zuspruch ein falsches Signal ist.

 

Ergo: Kein Krieg förderndes Signal ohne das Anprangern der Normalisierung von Gewalt und vor allem das Ächten der Waffenlobby, die (typisch in den USA) durch Gewinn trächtige Produkte mit die Hauptschuld an den vielen blutigen Anschlägen trägt. 
 

Diese Botschaft wünsche ich mir - zumindest von allen hohen Repräsentanten für friedliches Zusammenleben.

 Da solche Signale zu selten erfolgen, frage ich mich: Können oder wollen die Repräsentanten nicht? Gleich wie: Diese Denkweise fördert keineswegs das Vertrauen in Politik.

 > MM AKTUELL KRIEG